Autismus Diagnose nach mir, erster Teil

Autismus Spektrumstörungen sind charakterisiert durch 
       Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie einigeBesonderheiten im Verhalten, zum Beispiel das Beharren auf Routinen und auf Gleichförmigkeit, oder intensive, manchmal sehr spezielle Interessen. Die Wahrnehmung derFormeines Kontextes ist wichtiger dessen Bedeutung/Inhalt.1
Autismus ist eine dimensionale Diagnose2, entsprechend dessen Schwergrad zur Unterstützung bereits vor dem 5 Lebensjahr eine IV angefordert werden kann, bis hin zu Normvarianten, wo die Diagnose erst «zufällig» im Rahmen von Lebenskrisen, Übergangsphasen usw. in Betracht gezogen wird. 
Unabhängig vom Schweregrad ist die Diagnose immer sehr wichtig, sowohl dank intensiver Therapien für die optimale Entwicklung bei frühkindlichen Formen, als auch bei (echten) subklinischen Formen. In jedem Falllohnt es sich, sich für die Identitätsfindung besser kennenzulernen. 
Trotz vielfältiger Forschung bleibt die Diagnose klinisch und oft schwer zu stellen: 
Aktuell werden Spektrums-Störungen (ASS) 
      unterschätzt
      die Diagnose ist entspricht Spektrum3
      oft ist mit dem älter werden vieles schon «selbst-auskuriert»
  Fragebögen sind zu wenig spezifisch, viele falsch negativ, aber auch viele falsch positiv4(Modediagnose, besser als Persönlichkeitsstörung!). 
Mit der Erfahrung habe ich einige persönliche Kriterien erarbeitet, voran ich mich orientiere: 
1.   Betroffene, bzw. die Bezugspersonen erzählen selberim freien Gespräch von den autistischen Verhaltens­auffälligkeiten. Diese sind für jede Person einzigartig und in keinem Manual zu finden.
2.       Als neurotypische5(NT) Frau trete ich für Autisten bei der Abklärung bewusst in jede eine Menge Fettnäpfchen und erzähle Witziges, worauf die Autisten NICHT mitschwingen6
3.       Kompetente Asperger sind in der Lage, die gängigen Test zu «knacken». Deswegen ist es wichtigerwiesie den Test machen (z.B: ohne mitschwingen, ohne Vorschlägen zu folgen) und weniger die Resultate des Tests. 
4.  Ausnahme: Erwachsene Asperger Frauen. Diese haben oft kein Problem in Zweiergesprächen, dafür aber im weitesten Sinninsozialen Interaktionen7.
5.     Autisten können sich selber nicht spüren, können sich selber nicht einschätzen, was eine Bedingung ist, um die anderen zu verstehen. Das Mentalisierungsdefizit8beginnt mit den Betroffenen selber: Von hier aus stammt die mangelhafte Perspektive Drittpersonen zu verstehen.
6.       Autisten wirken oft jünger als sie sind. Dies bedeutet, dass sie später als die Gleichaltrige reifen: Das Altersoll also nicht entsprechend dem biologischen, sondern entsprechend dem geschätzten Aussehen wahrgenommen werden.
7.       Um Stress zu vermeiden/mindern, pflegen Autisten etwas das man «Gleichness»9nennen könnte, was u.a. auf der Basis des Phänomens des *auf Fehler Beharrens* beruht und 
8.       sie ergreifen keine Initiative. Bereits bei Kindern fällt die mangelhafte Initiative in der sozialen Interaktion7auf. Sie wird auch im Erwachsenalter von Partnern beklagt.
9.       Ein Aspekt des «Gleichness-Pflegen» könnte die mangelhafte Selbstpflegeerklären. Es ist ein Phänomen, das öfters vorkommt, sowohl im Alltag (unterdurch­schnittlichere Selbstpflege als Neurotyprische), sowie auch in Phasen von Krisen (aufhören zu duschen z.B. bei häuslichen Auseinandersetzungen).
10.  Der sparsame Umgang mit Geld ist vielleicht auch ein Versuch, die «Gleichness»9zu pflegen. Der Umgang mit Geldist bei allen meinen autistischen Klienten gleich geizig, wenn man ihn mit dem Verhalten von Neurotypischen in gleichen finanziellen Verhältnissen vergleicht.
Last but not least: 
11.  Die Gegenübertragung10der Therapeutin gegenüber Autisten ist sachlich-langweiligim Gegensatz zur Gegenübertragung bei NT’s, dieemotional- mitreissend ist, egal ob diese psychisch auffällig sind oder nicht. 
Alessia Schinardi August 2018 
Form und Inhalt
Autisten haben Schwierigkeiten, Worte, Begriffe oder Redewendungen, die sowohl wörtlich (Form) als auch sinnbildlich (Inhalt) verstanden werden können, entsprechend richtig zu verstehen. 
Sagt jemand z.B. „Ich stehe auf dem Schlauch“ (Form), wird ein Autist dies wörtlich verstehen und auf den Boden starren, um den Schlauch zu suchen. Er versteht den bildlichen Charakter der Redewendung (Inhalt) nicht.
dimensionale Diagnose
Eine dimensionale Diagnose beinhaltet mehrere „Dimensionen“, z.B. mehrere Schweregrade oder verschiedene Elemente. Bei einer „kategorischen Diagnose“ („Gegenteil“ einer dimensionalen Diagnose) ist nur das eine oder das andere richtig. Eine Frau ist z.B. schwanger oder nicht schwanger. Sie kann nicht „ein Bisschen“ schwanger sein.
Spektrum
Beinhaltet nicht nur 1 Sache, sondern mehrere 
falsch-negativ / falsch positiv
Als falsch-negativwird etwas bezeichnet, wenn das Resultat einer Diagnose, eines Tests nicht wahrgenommen oder anerkannt werden, obwohl die untersuchte Person in Wirklichkeit an der Krankheit leidet oder die Anzeichen der gestellten Diagnose aufweist.
Als falsch-positiv wird etwas bezeichnet, wenn das Resultat einer Diagnose, eines Tests in Wirklichkeit nichtder medizinischen Überprüfung der Krankheit oder Diagnose entspricht, sie aber der Person quasi zugesprochen werden.
So empfinden z.B. gewisse Personen eine Autismus-Diagnose als weniger schlimm als die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.
neurotypisch / neurotypische Person
Als neurotypisch bezeichnet das, was die meisten Menschen in Bezug auf sprachliche und soziale Fähigkeitenals „normal“ erachten (= nicht „krankhaft“). Eine neurotypische Person bezeichnet also jemanden, die in Bezug auf ihr sprachliches und soziales Verhalten als „normal“ angesehen wird.
nicht mitschwingen
Personen, die in einem Gespräch „nicht mitschwingen“, reagieren z.B. nicht auf Witziges, weil sie den Inhalt des Gesagten nicht erfassen. Es klingt nichts an, schwingt nichts mit: Es erfolgt keine Reaktion, oder falls eine erfolgt ist es nicht die, die man erwarten würde.
Soziale Interaktion 
Das wechselseitig, aufeinander bezogene Handeln, also z.B. wie Personen in einem Gespräch aufeinander reagieren oder wie sie miteinander umgehen. 
Mentalisierung / Mentalisierungsdefizit
Die Fähigkeit, das Verhalten anderer zu richtig zu deuten und entsprechend in Worte zu fassen. Wenn bei jemandem ein Mentalisierungsdefekt besteht, hat diese Person Mühe, ein Verhalten richtig zu verstehen und zu beschreiben, weil sie es gewissermassen nicht „interpretieren“ kann.
„Gleichness“ (ein Begriff von mir, kein offizieller Begriff)
Autisten pflegen die «Gleichness», sie bevorzugen ein vertrautes, bekanntes Umfeld, sowohl im privaten Bereich wie auch bei der Arbeit. Sie schauen, dass sich bei ihnen möglichst nichts verändert und leisten das ihre dazu, damit es so bleibt: Sie wollen auch keine Veränderungen ihrer eigenen Angewohnheiten und Routinen im Alltag.
10 Gegenübertragung – Beispiel aus Wikipedia
Als Gegenübertragung bezeichnet man in der Psychoanalyse eine Form der Übertragung, bei der ein Therapeut auf den Patienten (bzw. auf dessen aus Übertragungsphänomenen hervorgehenden Handlungen und Äußerungen) reagiert und seinerseits seine eigenen Gefühle, Vorurteile, Erwartungen und Wünsche auf diesen richtet. Die moderne Psychoanalyse sieht die Gefühle des Therapeuten gegenüber dem Patienten auch als „Resonanzboden“, durch den er Informationen über den Patienten gewinnt.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen