Untitled Post

Auto Union AG ist der
Vorfahre von Audi
Ich und mein
autistischer Kollege wollen uns im Internet Automodelle von Oldies anschauen,
eines seiner Lieblingsinteressen. Wir versinken bald unter einer Lawine von
schönen alten Automodellen.
„Welches bestellen
wir zu deinem Geburtstag?“
„Ich mag die von den
30- er Jahren abwärts,“ antwortete der Junge.
„Gab es damals schon
Autos damals?“ frage ich.
„Doch! ‚Wasserfall‘
die Modellreihe der 30-er Jahre.“
Um die Sache in einer
vernünftigen Zeitspanne zu erledigen, frage ich ihn, von welcher Marke denn
dieses Auto stammt.  
Von „Auto Union“ Sagt
er eher leise
„Was?“ Ich höre dich
nicht!
„Auto Union.“ flüstert
er nochmals.
Verwirrt und
ahnungslos schaue ich vor mich hin.
Der Junge schaut ebenfalls
vor sich hin und denkt wohl, dass auch ich wie bereits seine Mutter und seine
Betreuerin nicht in der Lage sind, ihm bei der Suche nach den Oldies zu helfen.
Mein Mann, ein ehemals
leidenschaftlicher Ferrari-Fan und inzwischen Oldie-Liebhaber, kommt mir zu Hilfe.
Er hat die Gelegenheit erfasst und die leise Stimme des Jungen wahrgenommen.
Jetzt tippt er „Auto
Union“
ins Natel und nicht
mehr „Wasserfall“ wie beim ersten Mal. Denn vorher zeigte das Handy einen herabfallenden
Bach und nicht ein Auto. Beide sind jetzt zufrieden und werfen alle Oldies in
den Einkaufswagen des Displays.
„Aber gell, du wählst
am Schluss nur ein Modell…“ sage ich mit einem mulmigen Gefühl im Magen,
sprich, ich fühle mich doof.
Warum neigen wir
Neurotypischen dazu, auch wenn nur gut gemeint, Personen zu unterschätzen, die
sich nicht so verständigen können wie wir?
Ich, die ich keine
Autofahrerin bin, glaubte nicht an die Existenz von Auto Union und ignorierte diese
Firma.  Der junge Autist ging wahrscheinlich
davon aus, ich hätte dieselben Autokenntnissen wie er, er fahre ja auch kein
Auto.
Ich habe ihm nicht
geglaubt, obwohl ich weiß, dass er Punkto „alte Dinge“ ein Experte ist. Wäre er
kein Autist gewesen, hätte ich wahrscheinlich sofort „Auto Union“ ins Handy eingegeben…
Ich frage mich, wie
viel Geduld mein junger Kollege bei mir aufwenden musste, weil ich ihn überhört
oder falsch wahrgenommen habe, bzw. weil ich nur die Hälfte von dem gehört
habe, was er mir „zugeflüstert“ hat ….
Tja ist es wahr, man
hat viel zu lernen …und ich lerne viel von ihm und habe dabei viel Spaß!
Frau Dr. med. Alessia
Schinardi

11.2.2018

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen